WHKD Training auf Hawaii | Dacascos Barmbek - Kung Fu und Tai Chi in Hamburg
  

  


  

  

    
    

    
    




  

WHKD Training auf Hawaii

von Jan-Ole Wulf

Am 6. Juli 2007 war es endlich soweit mein großer Traum ging in Erfüllung. Ich flog auf Einladung von Sigung Al Dacascos und seiner Frau Melveen Leed nach Hawaii.
Dort erwarteten mich sechs Wochen schöne Natur, nette Menschen und natürlich die Kampfkünste. Ich hatte die Ehre bei Sigung Dacascos im Gästezimmer zu wohnen und mit seiner Familie zu leben. Nach 23 Stunden Flugzeit erreichte ich endlich mein Ziel. Sigung und seine Tochter Jadyn holten mich vom Flughafen ab.  Am nächsten Morgen ging es schon früh los. Sigung zeiget mir ein Teil der beeindruckenden Landschaft O´ahus.  Am nächsten Tag sah ich zwei bekannte Gesichter wieder, John und Jason Sasan.

Sigung AlVater und Sohn waren dieses Jahr in Hamburg bei den Dacascos Open und bei den Lehrgängen von Sigung. John Sasan ist ein Kajukembo Schwarzgurt unter Großmeister George W. Iversen. Beide luden mich zu einer spektakulären Shaolin Show und zu einem anschließenden Barbecue ein. 

Am nächsten Tag fuhren wir zu meinem ersten Training mit Sigung. Wir sollten uns erst einmal ein bisschen warm machen, was nicht schwer war, es war ja sowieso sehr heiß. Dann ging es schon los, Jason und ich sollten jede Form abwechselnd jeweils zweimal zeigen. Sigung schaute uns interessiert zu, sagte aber nichts. Aufgrund der starken Hitze beendete Sigung das Training mit einem Grinsen auf dem Gesicht.

Am nächsten Tag wussten wir was es mit dem Grinsen auf sich hatte. Sigung schickte uns an seinem Hang am Haus laufen, um Kraft in den Beinen zugewinnen. Das komplette Training war nur auf die Kraft in den Beinen ausgelegt um, wie Sigung sagte, tiefer in den Formen stehen zu können und sich von dort auch schnell raus zu bewegen. Zum Abschluss der Trainingseinheit kamen wie immer die Formen. Dieser Trainingsrhythmus am Morgen lief zwei Wochen so, bis Jasons Ferien endeten.

Sigung Jon LorenIn den zwei Wochen lernte ich auch die Gruppe von Großmeister George W. Iversen kennen. Ich trainierte dreimal mit und  bekam einen Eindruck von dem traditionellem Kajukembo Weg. Leider verstarb Großmeister George W. Iversen 2005. Doch seine Tochter  Erika Iversen und seine Frau Jane Iversen führen die Gruppe zusammen weiter. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und ich merkte den starken familiären Zusammenhalt der Gruppe.

In den Zwei Wochen trainierte ich auch mit einem anderem Schwarzgurt z.B. mit Sihing Steve, ein Schüler von Sigung Al. Sihing Steve hat einen kleinen Kwoon neben seiner Werkstatt. Zurzeit bereitet er sich auf seinen zweiten Ultimate-Fight vor. Sigung schickte mich zu Sihing Steve um einen kleine Basis des „Grablings“ kennen zulernen. Das Training war sehr ungewohnt für mich. Wir fingen mit verschiedenen Kraft und Dehnungsübungen, insbesondere der Nackenmuskulatur an. Nach dem Aufwärmen übten wir verschiedene Verteidigung und Abwehrtechniken gegen Griffe und Hebel. Dann gingen wir in die Angrifftechniken über.

Nach dem Grundtraining fing Sihing Steve gleich schon mit leichtem Kämpfen am Boden an. Wir arbeiteten uns langsam in den Stand hoch. Am Ende haben wir insgesamt sechs Runden,  jeweils drei Minuten gekämpft. Diese Art von Kampf war mir relativ neu, dementsprechend war meine Kondition nach den sechs Runden und dem vorherigem Aufwärmübungen und Techniken gut angekratzt. Doch nach dem Sparring folgte noch ein Zirkeltraining!

Sigung fing an mir eine neue Form zu zeigen. Er nennt sie „Internationale WHKD Technikform“. Sie ist speziell dafür ausgelegt, dass man nur ca. 3 Meter mal 4 Meter Platz benötigt. So könne man zwar eine komplette nördlich Form laufen aber man brauche nicht so viel Platz. Sein Ziel ist es mit 30 Leuten auf einer möglichst kleinen Fläche die Form zu zeigen. Sigung zeigte mir die Form jeweils in kleinen Abschnitten. Die verschiedenen Bewegungen musste ich dann immer zu einem bestimmten Takt ausführen. Als ich eines Abends für mich trainierte kam Sigung Raymond dazu und zeigte mir eine Technik des schnellen Überbrückens, Distanz mit einem Schlag, speziell für das Pointfighting. Da ich an einem Wochenende nach Maui auf ein Turnier fliegen würde, bereitete Sigung, Jason und mich mit speziellen Übungen auf das Turnier vor.

Prof. EmperadoWir trainierten viel am Sandsack und viel mit Luftkissen und Pratzen. Damit ich Kampfpraxis bekomme kam Sigung auf die Idee, dass wir zum „Hawaiien Sparring Club“ fahren um dort zu trainieren. Der „Hawaiien Sparring Club“ ist eine Kampfklasse die einmal in der Woche am Wochenende stattfindet. In dieser Kampfklasse treffen sich Kämpfer aus verschiedenen Schulen und Stilen um miteinander zu kämpfen. Dadurch, dass der Sparring Club relativ versteckt in einer Ballettschule stattfindet und nur bestimmte Leute von dem Club wissen, kommen keine Fremden.

Für mich war es eine tolle Erfahrung, da viele verschiedene Kampfstile vertreten waren. Doch ich machte auch meine erste Erfahrung mit dem „Groin-Kicks“. Da in Europa der Kick zum Unterleib verboten ist, ist das typische Kicken zwar schnell, aber das Kickbein ist relativ lange oben. Dieses Kicken wurde mit zum Verhängnis. Also musste ich mich auf das schnelle und schnell zurückgezogene Kicken einstellen.

Die Woche vor dem Turnier trainierte Sigung mit mir ausgiebig meine Turnierform, wobei er viel Wert auf den Ausdruck und die Brennpunkte legte. Da relative viel auf Hawaiinischen Turnieren  nachgeschlagen wird, sollte ich beim Kämpfen auf das schnelle zurückziehen des Beines und auf meine Deckung achten.

Am Samstag dem 28.7. 2007 flog ich mit der Familie Sasan nach Maui auf das Turnier „Festival of the Kings“. Auf dem Turnier traf ich Professor Emperado und seine Schwester Ditschi.  Das Turnier wurde von einem typischen Hawaiinischen Kriegstanz eingeleitet, danach folgten verschiedene Ehrungen oder Beschenkungen. Die Formklassen liefen gut für mich und ich gewann einen 2. Platz in Formen Soft Style und den 1.Platz in Waffenform.  Mein erster Kampf war gegen ein Kung-Fu Kämpfer aus Maui. Im Finalkampf kämpfte ich gegen einen berühmten mexikanischen Kämpfer. Nach fünf Minuten ging ich mit einem Punkt in Führung und als Sieger vom Feld. Professor Emperado schaute die ganze Zeit meinem Kämpfen zu und freute sich mit mir.

Wir verbrachten noch einen schönen Tag auf Maui bevor wir wieder zurück nach O´ahu flogen.
Neben Professor Emperado lernte ich auch Grandmaster Al Dela Cruz kennen. Er lud mich zu einer Trainingseinheit in seine Gruppe ein. Er zeigte mir mit dem Escrima Stock verschiedene Abwehr und Angriffstechniken. Ich merkte sofort das Grandmaster Al Dela Cruz sehr schnell mit dem Escrima Stock ist und ihn wie ein verlängerten Arm benutzt. Auf diese Grundlagen aufbauend arbeitete Sigung mit mir an den Grundlegenden Techniken des Escrimas. Außerdem zeigte er mir ein Paar beeindruckende Doce Pares DVDs und erzählte mir von seinem Lehrer Ciriaco Canete. Er gilt als der letzte Vertreter der traditionellen authentischen philippinischen Kampfkünste. Er ist Inhaber des 12. Großmeistergrades des Doce Pares Eskrima. In den Videos erkannte ich auch einige Stock-Techniken die mir aus unseren WHKD bekannt sind.

In der letzten Woche kam dann auch mein Vater, Sifu Christian Wulf, um mich abzuholen und wie er sagte, “um sicher zustellen, dass ich auch wieder nach Hause fliege“. Wir hatten noch spannende 5 Tage gemeinsam auf Hawaii und flogen dann nach San Francisco, wo wir eine Nacht bei Sifu Bill Owens übernachteten. An dem nächsten Tag fuhren wir für 3 Tage zu Sigung Jon Loren nach Oregon. Sigung Jon lebt in einem Haus mitten im Wald an einem Fluss. Wir trainierten mit Sigung Jon in seiner Schule. Er zeigte mir einen kleinen Eindruck aus dem „Pushhand“ seines Taiji Stiles.

Nach 3 Tagen Natur pur und vielem Angeln fuhren wir für eine Übernachtung zu Sigung Mark Garry zurück nach S.F. Am nächsten Tag war meine Entdeckungsreise leider auch schon vorbei. Wir flogen zurück nach Hamburg, mit vielen schönen Eindrücken, Ideen und neuen Kontakten zu anderen Kampfkünstlern.